Montessori Pädagogik

Montessoripädagogik ist ein von Maria Montessori ab 1907 entwickeltes und namentlich in Montessori-Schulen angewandtes pädagogisches Bildungskonzept, das die Zeitspanne vom Kleinkind bis zum jungen Erwachsenen abdeckt.

Sie beruht auf dem Bild des Kindes als „Baumeister seines Selbst“ und verwendet deshalb zum ersten Mal die Form des offenen Unterrichts und der Freiarbeit. Sie kann insofern als experimentell bezeichnet werden, als die Beobachtung des Kindes den Lehrenden dazu führen soll, geeignete didaktische Techniken anzuwenden, um den Lernprozess optimal zu fördern.

Als Grundgedanke der Montessoripädagogik gilt die Aufforderung „Hilf mir, es selbst zu tun“.

Erziehungs- und bildungsgeschichtlich betrachtet gehört die Montessori-Pädagogik zu jenen am Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten reformpädagogischen Ansätzen, die man als „Pädagogik vom Kinde aus“ bezeichnet. Insofern ist sie unter die Reformansätze von Kerschensteiner, Petersen, Gaudig, Otto, Freinet, Dewey u.a. einzureihen. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie sich die anthropologisch-pädagogische Sichtweise JeanJacques Rousseaus, des „Entdeckers des Kindes“, wie er genannt wird, zu Eigen gemacht haben. Jean-Jacques Rousseau zufolge hat sich Erziehung vorrangig an den psychischen und intellektuellen Bedürfnissen, Neigungen und Begabungen des einzelnen Kindes zu orientieren und nicht an den von Erwachsenen erdachten Normen und Zielvorgaben. Während die meisten der genannten Reformer ihre Reformgedanken weitgehend theoretisch und vorwiegend im Hinblick auf das Schulkind entfaltet haben, erstreckt sich die Pädagogik Maria Montessoris auf den Menschen im Ganzen, unabhängig von Alter, soziokultureller Zugehörigkeit und religiös-weltanschaulicher Gebundenheit. Sie umfasst neben anthropologischen und erziehungstheoretischen Überlegungen auch ein breites Spektrum an erziehungspraktischen Hinweisen, Methoden und Materialien, die ein konkret-anschauliches, aktiv-handelndes und selbstständiges Lernen ermöglichen.

Maria Montessori hat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts umfangreiches Material entwickelt für

  • Übungen des praktischen Lebens
  • die Schulung der Sinne
  • die Entwicklung der Sprache
  • den Aufbau mathematischen Denkens
  • die Kosmische Erziehung

Inzwischen sieht auch die moderne Lernforschung und Entwicklungspsychologie die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Lernens, die Maria Montessori bereits zu ihrer Zeit erkannt und in der Arbeit mit Kindern umgesetzt hat.

Montessori-Pädagogik – Die Bausteine des Lernprozesses

Die italienische Ärztin und Pädagogin Maria Montessori hat ihr Konzept, ursprünglich aus ihrer Tätigkeit als Ärztin und dann als Pädagogin, kontinuierlich bis ins hohe Alter entwickelt und überprüft. Sie definierte die Lehrer- und Schülerrolle neu und entwickelte moderne Unterrichtsformen und didaktisches Arbeitsmaterial für eine „vorbereitete Umgebung“. Zusammen geben diese dem kindlichen Forschungs- und Entwicklungsdrang Raum und ermöglichen selbstbestimmtes Lernen.

Das Prinzip der Altersmischung - Durch das Miteinander verschiedener Altersstufen in einer Gruppen- bzw. Klassengemeinschaft entsteht ein soziales Umfeld, in dem die Kinder ganz selbstverständlich lernen, sich gegenseitig zu unterstützen. In der Kooperation mit anderen erfahren sie ihren Wert auf vielfältige Art und Weise: So kann der Kleine vom Großen genauso lernen wie der Große vom Kleinen. Jedes Kind tritt in seiner Einmaligkeit viel deutlicher hervor als in einer altershomogenen Gruppe/Klasse

Die „Vorbereitete Umgebung“ und die Aufgabe der Pädagogen - Das kindliche Lernumfeld wird geprägt durch die „Vorbereitete Umgebung“. Eine der Hauptaufgaben der Pädagogen besteht in der Gestaltung des Klassenzimmers als eines Lebens-, Lern- und Entwicklungsraumes, der den Bedürfnissen der Kinder angepasst ist. So wird der Raum zum äußeren Rahmen, der es dem Kind ermöglicht, selbstständig und weitgehend unabhängig vom Erwachsenen zu lernen.

Die „Vorbereite Umgebung“ ist geprägt durch eine helle und freundliche Atmosphäre, eine gezielte Bereitstellung von Montessori-Material und anderen Arbeitsmaterialien (frei zugänglich und übersichtlich geordnet), die Schaffung verschiedener Arbeitsbereiche innerhalb des Lernraumes und die Möglichkeit der Kinder, sich innerhalb dieses Bereiches frei bewegen zu können.

Das Montessori-Material - Maria Montessori war überzeugt davon, dass der Zugang zum kindlichen Denken nicht auf abstraktem Wege, sondern grundsätzlich über die Sinne des Kindes erfolgen muss. Greifen und Begreifen sind für sie im Lernprozess untrennbar miteinander verbunden. Im Laufe ihres Lebens hat sie viele Arbeitsmaterialien entwickelt, mit denen ihre pädagogischen Grundsätze auch ganz konkret „in die Tat“ umgesetzt werden können. Dieses Montessori-Material teilt sich in verschiedene Materialgruppen: Sinnesmaterial, Mathematikmaterial, Übungen des praktischen Lebens, Sprachmaterial und Material zur kosmischen Erziehung.

Die „Kosmische Erziehung“ - Die „Kosmische Erziehung“ ist eines der Grundprinzipien in der Montessori-Pädagogik. Maria Montessori war überzeugt, dass Lernen nicht bedeuten darf, dem Kind zusammenhanglos Wissen aus verschiedenen Lernbereichen zu vermitteln, sondern es von Anfang an den großen Zusammenhang und die Gesetzmäßigkeiten einer Ordnung innerhalb des „Kosmos“ erfahren zu lassen. „Kosmos“, das bedeutet für Montessori nicht nur das Wissen um die Gesetzmäßigkeiten in der Natur, sondern auch das Bewusst-werden der Wechselbeziehungen von Mensch und Natur wie auch der Menschen untereinander.

In der „Kosmischen Erziehung“ geht es deshalb vor allem darum, die Kinder dabei zu unterstützen, ihren Platz im „großen Ganzen“, d.h. in der Welt, zu finden. Weiß das Kind um seinen eigenen „Standpunkt“ in der Welt, wird ihm auch die Verantwortung, die es durch sein Handeln in dieser Welt hat, bewusst. Kosmische Erziehung soll sich dabei nicht auf kognitive Zielsetzungen beschränken. Wichtig ist Montessori die Aufgabe, „jenes menschliche Verstehen und jene Solidarität zu entwickeln, die heute so sehr fehlen“ (Maria Montessori: Kosmische Erziehung, Kleine Schriften 1, Freiburg 1988, S. 93 f.). Damit greift sie ein pädagogisches Ziel auf, das heute als Teil einer Werteerziehung von allen Schulen eingefordert wird.

Diese und weitere Informationen finden Sie unter https://www.montessori-hessen.de/ und https://www.montessoribayern.de/


Like this website? Create yours in under 2 minutes.